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Mythos Perchta

Perchta bestraft Faulheit und VerstoÌˆĂŸe gegen das Festspeisegebot. Die Bestrafung kann von einfachen Albträumen bis hin zum Aufschlitzen des Bauches reichen. Der Bauch des Opfers wird dann gerne noch mit Steinen gefüllt, um es in einem Brunnen zu versenken. Zudem kann Perchtas Atem töten oder blenden.

Umgekehrt belohnt sie Fleiß und Hilfsbereitschaft. Neben vollen Spulen, goldenen Fäden und Flachsbündeln für Spinnerinnen verschenkt sie auch Münzen, die Mägde in Eimern (vorwiegend am Brunnen) finden. Sie soll aber auch für das Wachstum des Getreides zuständig sein. Brunnen oder Teiche sind auch die Orte, an dem Perchta die noch nicht geborenen Seelen hütet. In diesem Sinne gilt sie auch als Führerin der Schar der ungeborenen und der ungetauft verstorbenen Kinder.

Unter dem Namen Butzebercht wird Perchta auch als alte Frau dargestellt, die einen verkrüppelten vom Spinnen zu groß geratenen oder auch enten- oder gänseförmigen Fuß hat.

Perchta tritt vor allem in den Rauhnächten, also der Zeit zwischen der Wintersonnenwende und dem 6. Januar auf. Ihr Tag ist vornehmlich der 6. Januar (Epiphanias bzw. Dreikönigstag oder alemannisches Hochneujahr). Perchta soll in dieser Zeit mit der wilden Jagd und ihrer Kinderschar durch die Lüfte fahren.

Die traditionellen PerchtenlĂ€ufe in Österreich verkörpern allgemein zwei Gruppen, die „guten“ Schönperchten, und die „bösen“ Schiechperchten (obdt. schiech, ausgesprochen schiach, betont auf i: hĂ€sslich, schlecht) Wichtiges Utensil der Perchten ist die Glocke oder alte Eisenketten, mit denen nach populĂ€rer Deutung der Winter – bzw. die bösen Geister des Winters – ausgetrieben werden soll (Winteraustreiben bzw. Austreiben des alten Jahres).

Ignaz Vinzenz Zingerle
Berchta-Sagen in Tirol
Zeitschrift fĂŒr Volkskunde, 1. Jahrgang, S. 260–262. 1889. Leipzig